Rouge sur Noir - Gainfarn, 1958

Die unstete Präzision der Farbe (Manfred da le Motte, 2000)

Ein nüchterner und ruhiger Geist ist ein solcher, bei dem das Ich das Fließen jener Dinge behindert, die durch unsere Sinne in uns herein – und durch unsere Träume
in uns heraufkommen. Unsere Aufgabe im Leben ist es, mit dem Leben, das wir leben, ins Fließen zu kommen, und dazu kann Kunst verhelfen.

John Cage
(Auf einer Tagung des Arts Council of America mit dem Thema: „Neues Publikum für neue Künste“)

 

Unstet und fließend – taugt derlei Material zu verlässlichen Angaben, die man für ein Kursbuch braucht, um ersehen zu können, wo’s denn langgeht? Und das Fließende, Unstete in Leben und Werk von Markus Prachensky (was Monsignore Mauer einmal „das Ahasverische“ genannt hatte) das steht nicht in Gegensatz zur Folgerichtigkeit und zur „Richtigkeit“ aller Entscheidungen, die in 50 Jahren notwendig wurden – wie diese Ausstellung und dieses Katalogbuch zeigen und nachweisen.

Es gibt keine Rezeptur für Maler-Karrieren und künstlerische Lebensläufe überhaupt. Wir kennen die groteskesten Haupt- und Nebenwege zu Kunst, von ihr weg, über sie, gegen sie, für sie – und selten auch: mit ihr und durch sie. Trotzig und selbstsicher – aber auch leidvoll, geduldig, demutsvoll und mit fast unmenschlicher und fast unend-licher Erwartungshaltung, damit sich einstelle, was jenes köstliche Destillat „KUNST“ genannt, über uns vermöchte: „charmes“, die menschenverändernde Verzauberkraft, wie es Valéry sozusagen zurück-bedeutet hatte. Der Sehende, wach und aufmerk-sam, den es betrifft, der ist betroffen und es geht ihn an. Beliebigkeit ist dann ganz fern. Keine Tändelei und kein Schielen nach Markt, Mode, Geschmack, Stil oder jed-weder Angepasstheit an zufällig herrschende Spielregeln einer fragwürdigen Gesell-schaft, die ohne Utopie zu leben versucht.

Was ist mit der Düsternis, der Schwärze und profunden Dunkelheit der frühen „Konstruktionen“? Ist das „Schwarz“, als totale Absenz von Farbe und Farbigkeit, von Licht und der Kraft seiner Gespinste, der Brechungen und Reflexe? Sollte man nicht eine von Bonnards Badewannen zum Vergleich hereinschleppen lassen? Käme das nicht gut – wie man im Neo-Deutsch zu sagen pflegt? In der Tat, es käme gut. Und, wie Georges van Haardt es 1954 in Paris betitelte: „Le Noir est une couleur“. Oder auch – und deutlicher noch – César Quispes Asin Moro (1903 – 1956), zitiert im „Lexikon des Surrealismus“ von José Pierre, Köln, 1974: „Jede Vorstellung von Schwarz ist zu schwach, um das lange, unheimliche Geheul von Schwarz in Schwarz auszudrücken, das sehnsüchtig hervorbricht“.

Manfred de la Motte, 2000