Heinz Fischer, Trauerfeier für Markus Prachensky am 26. Juli 2011

Markus Prachensky war ein unermüdlich Schaffender.

Beseelt von seiner Mission, von seiner Kunst und seiner Aufgabe.

Aber zuletzt war er müde.

Ganz zuletzt konnte er nicht mehr und – vielleicht wollte er auch nicht mehr.

Und so ist er am Abend des 15. Juli langsam, friedlich und für immer eingeschlafen.

Daher möchte ich Brigitte Prachensky und seiner Familie unser tiefes Mitgefühl und unsere aufrichtige Anteilnahme zum Ausdruck bringen.

Wir alle haben Markus und seine unverwechselbare Persönlichkeit, die mit einer unverwechselbaren Kunst einherging, in tiefer und bester Erinnerung.

Seine Lebensfreude, seine Reiselust, sein Temperament, auch seine unverwechselbare Stimme und natürlich seine Kunst, über die gerade in so berufener Weise gesprochen wurde.

Geschätzte Trauergemeinde

Einige junge österreichische Maler, die an der Wende von den 20-iger zu den 30-iger Jahren des vorigen Jahrhunderts geboren wurden, die zum Ende des Krieges noch nicht erwachsen waren und daher der schrecklichen Kriegsmaschinerie entkommen sind, die nach Kriegsende mit Begeisterung den amerikanischen Soldatensender Blue Danube Network mit guter Jazzmusik gehört haben, wollten neue Wege gehen und das Gescheiterte hinter sich lassen.

Sie haben einander wahrgenommen, waren Freunde und Konkurrenten wie z.B. Rainer, Mikl, Hollegha und – als jüngster in dieser Runde - der Tiroler Markus Prachensky, der an der Akademie der Bildenden Künste in Wien Architektur und Malerei studierte. Er hat die Zeit von 1945 als tiefes schwarzes Loch empfunden, wie er kürzlich in einem Interview erklärte und seine Konsequenzen daraus gezogen.

1956 – also im Jahr der Ungarischen Revolution – gründeten diese vier die Künstlergruppe „Galerie nächst St. Stephan“ unterstützt von Monsignore Otto Maurer.

Damit war Markus flügge geworden und begann eine intensive Reisetätigkeit durch die er zahlreiche Gleichgesinnte kennenlernte und viele Anregungen erhielt.

Schon zu dieser Zeit war Markus Prachensky im Begriff seine charakteristischen Ausdrucksformen zu finden.

Es war John Sailer, durch den ich in den 70-iger Jahren Markus persönlich kennen- und schätzen lernte. Seither hängen auch im Parlament Prachensky-Bilder, so wie seit 2004 Prachensky auch in der Hofburg vertreten ist.

1983 hatte ich als Wissenschaftsminister die Freude Markus das Dekret seiner Ernennung zum Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Wien zu überreichen. Damit verbunden war die Ernennung zum Leiter der Meisterschule für Malerei – eine Position, die er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2000 innehatte.

Es war dies eine wichtige und fruchtbare Periode, die mit einer großen Prachensky-Ausstellung über seine Akademiejahre – Bilder von 1983 bis 2000 – abgeschlossen wurde.

Aber Markus arbeitete weiter, diskutierte weiter, reiste weiter und lernte weiter – allerdings mit wachsenden gesundheitlichen Einschränkungen. Brigitte hat erzählt – und man konnte es ja auch beobachten - mit welcher Mühe, aber auch mit welcher Kraft und Selbstverständlichkeit er seine Tätigkeit auch vom Rollstuhl aus bis in die letzte Phase seines Lebens fortsetzte.

Mit seinem Tod hat die österreichische Kunst einen schweren Verlust erlitten und seine Familie, seine Freunde erst recht.

Seine Unbeirrbarkeit und seine Aufnahmefähigkeit für Neues haben wesentlich dazu beigetragen, dass die heimische Kunstszene nach den Verwerfungen der Nazi-Diktatur wieder in das europäische und internationale Kunstschaffen zurück gefunden hat. Und wenn man einen künstlerischen Ausdruck sucht, in dem das Streben zu einem weltoffenen, lebendigen und selbstbewussten Verständnis der Gegenwart voll zur Geltung kommt, findet man diesen in den klaren, raumgreifenden Bildern und den starken Farben von Markus Prachensky.

Trotz aller Kraft spiegeln sie eine Leichtigkeit und Behutsamkeit, die Raum zum Atmen lässt. Und es liegt etwas zutiefst Lebensbejahendes in ihnen.

Genauso war auch Markus Prachensky: voller Ideen, voller Energie, herzlich und lebensbejahend.

Geschätzte Trauergemeinde!

Wenn man von einer Künstlerpersönlichkeit wie Markus Prachensky Abschied nehmen muss, stellt sich auch die Frage: Was bleibt?
Es bleibt sein Lebenswerk als Künstler und Lehrer.
Es bleibt die Erinnerung an einen Freund und liebenswerten Menschen.

Es bleiben seine Bilder, die so vielen Menschen Freude bereiten und Zeugnis geben von einem außergewöhnlichen Maler. Wir können diese Bilder immer wieder betrachten und ihre Botschaft immer wieder wahrnehmen, nämlich die Aufforderung zu Eigenständigkeit, Weltoffenheit und Menschlichkeit.

Aber der Maler Prachensky war eben nur ein Teil des Menschen Markus Prachensky.
Und so liegt der größte Verlust in der Tatsache, dass Markus nicht mehr lachen, nicht mehr trösten, nicht mehr loben oder tadeln und nicht mehr unter uns sein kann. Seine Familie zu trösten und ihr Mut zuzusprechen ist unsere gemeinsame Aufgabe beim Abschied von Markus Prachensky.

Heinz Fischer